Müggelheimer Bote
19. Jahrgang, Ausgabe 10/2012
Oktober 2012
Müggelheimer Bote

Inhalt
Häuser leider durch Schallschutz-Lüfter
Viel Spaß beim Schulhoffest
Sprachwoche in der Kita Bienenhaus
Drei Kletzmerschinken in der Kirche
Mit BER wird es nicht mehr
Heimatverein: Erntefest, Ausstellung und GEMA
Weitere Meldungen
Gedanken aus Müggelheim
Aus den Vereinen
Aus der BVV
Neues aus Treptow-Köpenick
Kirche
Serie für den Natur- und Gartenfreund
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Durch die Wälder, fertig, los!

Im Rahmen des Erntefestes fand am 23. September die bereits 16. Müggelheim Jagd statt. Die traditionelle Schleppjagd mit Hundemeute ist jedes Jahr aufs Neue ein Schauspiel. Zwar können die Zuschauer nur wenig auf der Strecke sehen, aber der Auftakt zur Jagd mit Hubertusandacht und Jagdhornbläsern (Foto), Stopp in den Seddingruben mit Springvorführungen und das Ende mit Curee belohnt dafür allemal. 15 Reiter waren dieses Mal angemeldet. Hinzu kam die Equipage der Brandenburger Hundemeute. Ein schönes Bild also, dass sich den Zuschauern auf den vollbesetzten Kremsern bot. Foto: Carola Radke/Text: sip

Häuser leiden durch Schallschutz-Lüfter

Kostenerstattungsvereinbarungen nur unter Vorbehalt unterschreiben

von Simone Jacobius

In zwei Jahren fliegen etwa 54.200 Flugzeuge pro Jahr über Müggelheim nach Schönefeld. An 130 Tagen im Jahr sind es etwa 59 täglich (Starts) und an 235 Tagen 198 (Landungen). Doch die Prognosen und entsprechende Anträge gehen schon weiter, auf 360.000 Überflüge im Jahr. Nach Medienberichten wird dafür, trotz der noch laufenden Prozesse und Unklarheiten in Sachen Schallschutz, bereits im "stillen Kämmerlein" geplant.

Zwar weiß noch keiner, wann genau der BER nun wirklich in Betrieb gehen wird, doch in Sachen Schallschutz sollten gerade wir Müggelheimer uns wappnen. Aus diesem Grund hatte die Bürgerinitiative Müggelheim (BIM) am 18. September zu einer Infoveranstaltung in den Dorfklub geladen – und etwa 80 Müggelheimer kamen. Fazit: Vom Einbau eines Lüfters raten die Redner vehement ab.

80 Prozent aller Gebäude in Müggelheim liegen im Nachtschutzgebiet. Die Flughafengesellschaft verspricht: Kein Lärm über 45 dB(A) bei geschlossenem Fenster. Allerdings sind durchschnittlich sechs Ausnahmen erlaubt, das können mal zwei, mal zehn pro Nacht sein. Wer meint, dass er noch ins Tagschutzgebiet gehört (oder überhaupt erst mal ins Nachtschutzgebiet), muss das selber mit Hilfe einer Lärmmessstelle nachweisen. Anfang Mai bis Anfang Juni gab es eine mobile Messstelle von der Flughafengesellschaft am Eppenbrunner Weg Ecke Sobernheimer Straße: In den vier Wochen wurden dort 6604 Überfliege gemessen mit einem Maximal-Pegel von 84,5 am Tag und 50,5 in der Nacht. Der Dauerschallpegel lag tagsüber bei 53,1 dB(A) und nachts bei 51,5 dB(A).

Zur Durchsetzung des Lärmschutzes gibt es im Nachtschutzgebiet bisher nur sogenannte Lüfter. Sie sollen für Frischluft in den Schlafräumen sorgen bei geschlossenem Fenster. Doch der Energieberater Heinz Schöne warnte eindringlich vor dem Einbau solcher Geräte. "Beim Einbau solcher Lüfter entstehen Leckagen, sogenannte Undichtigkeiten, die wiederum Schallbrücken sind, also den Lärm durchlassen. Ein wirksamer Schallschutz entsteht nur bei einer intakten Gebäudehülle", erläutert er. Auch hinsichtlich der Energieeffizienz sei von solchen Lüftern abzuraten, sie würden auch nicht dem Baugesetz entsprechen (DIN 1946 – 6 vom Mai 2009). "Das, was uns angeboten wird, entspricht dem Lüftungskonzept von 1980/90 und in keiner Weise den heute üblichen Ansprüchen", sagt der Energieberater. Und er malt Szenarien von Schimmelbildung und verrotteten Balken an die Wand: "Dadurch, dass es keine Entlüftung gibt, sondern nur eine Belüftung, bildet sich in der kalten Jahreszeit Kondenswasser, was zu Schimmel führen kann. Wenn der Lüfter dagegen nicht in Betrieb ist, gibt es Feuchtigkeitsschäden an den Balken".

Heinz Schöne rät vehement vom Einbau solcher Schalldämmlüfter ab (Kosten: etwa 300 Euro). Die einzige Variante, die aus seiner Sicht in Frage käme, wäre ein zentrales Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung, dass dem heutigen Stand der Technik entspricht. Dabei handelt es sich um einen Ventilator mit Zu- und Abluft, der beispielsweise im Hauswirtschaftsraum aufgestellt wird, oder auf dem Dachboden: keine Geräuschbildung, keine Löcher in den Wänden, kein Schimmel. Allerdings kostet die Anlage 5000 bis 15.000 Euro.

Aus diesem Grund hat auch Ulrich Geske, beim Verband Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) für den Lärmschutz zuständig, davon abgeraten, sich widerspruchslos solche Lüfter einbauen zu lassen. Schallschutz beantragen ja, aber keine Verzichtserklärung unterschreiben! "Wenn es gelingt, von NAT 0,5 auf NAT 0 zu kommen, also ohne jegliche Ausnahme, würde Müggelheim fast komplett in die Tagschutzzone fallen. Nur die nordwestlichste Ecke an der Himmelwiese nicht", erläutert er. Bei NAT 6, was von der Flughafengesellschaft angestrebt wurde, würden etwa 50 Prozent der Kosten für den Lärmschutz eingespart werden.