Gedanken aus Müggelheim

Von Simone Jacobius

Ich finde ja schon lange, dass Berlin reif ist für einen zusätzlichen Feiertag. Immerhin sind wir eines der Bundesländer mit den wenigsten Feiertagen überhaupt (Bayern als Spitzenreiter hat 13, Berlin 9). Aaaaber... muss es wirklich der 8. März sein? Und mit Verlaub, das sage ich als Frau. Ich weiß die Verdienste meiner sozialistischen Vorfahrinnen durchaus zu schätzen, weiß auch, wenn es nicht mutige Vorkämpferinnen gegeben hätte, wäre die Sache mit der Emanzipation zwischen Männern und Frauen und dem Frauenwahlrecht noch längst nicht so weit. Aber dennoch geht es mir zu weit, aus dem 8. März einen Feiertag zu machen. Vor allem wenn ich es pingelig sehen würde: Haben denn an dem Tag nur die Frauen frei? Übrigens wurde der internationale Frauentag einst in Kopenhagen festgelegt, und zwar auf einen
19. März. Nachdem er kurz darauf schon wieder verboten wurde, erlebte er 1917 eine Renaissance in Form von in Petrograd protestierenden Arbeiterinnen, Bäuerinnen und Soldatenfrauen, die dort an einem 8. März die Februarrevolution auslösten. 1921 wurde daraufhin in Moskau beschlossen, den 8. März zum Internationalen Frauentag zu machen. Soviel zur Geschichte. Männer, ich hoffe ihr wisst, worauf ihr euch einlasst...
Ich hätte beispielsweise für den Reformationstag gestimmt. Oder für einen der beiden vor Jahrzehnten abgeschafften Feiertage – Bußtag oder Tag des 17. Juni. Auch der 9. November wäre für mich mit seiner ambivalenten Geschichte eine gute Alternative gewesen. Es muss ja nicht unbedingt ein kirchlicher Feiertag sein. Aber auch die Frühjahrs-Feiertagsdichte (Ostern, 1. Mai, Pfingsten, Himmelfahrt) hätte so etwas entzerrt werden können. Das einzig Schöne an diesem Tag, was bestimmt noch alle Herren der früheren DDR wissen: Am 8. März gibt‘s Blumen für die Frauen. Da freuen sich die Floristen jetzt noch mehr.

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