Die Pflanzen und Tiere des Jahres 2019

Jedes Jahr werden bestimmte Arten an Tieren oder Pflanzen zur Spezie des Jahres gekürt – Flora, Fauna, Funga (Pilze). Der Begriff Natur des Jahres soll bestimmte Spezies in den Blick der Öffentlichkeit rücken, um mehr für ihren Schutz zu tun, die Lebensräume zu erhalten oder generell auf die Bedrohung der Art hinzuweisen. Seit 1971 wird bereits der Vogel des Jahres vom NABU e.V. gekürt, um damit auf die besondere Gefährdung der Tiere und ihrer Lebensräume aufmerksam zu machen. Im Laufe der Jahre haben immer mehr Naturschutzorganisationen an den Auswahlen zur Natur des Jahres mitgewirkt. Und das sind die Auserwählten für das Jahr 2019:

Schmetterling

Schachbrettschmetterling – er ist sehr verbreitet und lebt vor allem in Naturschutzgebieten wie dem Erpetal oder am Teufelssee.

Blume

Besenheide – Der Bestand geht in Berlin zurück, es gibt sie aber unter anderem noch im Köpenicker Forst.

Heilpflanze

Johanniskraut – sie ist ungefährdet und wächst überall auf den Wiesenflächen der Stadt – aber ist sehr nützlich.

Giftpflanze

Aronstab – Ursprünglich eine Tropenpflanze, die verwildert ist. Die Blätter sind leicht mit Bärlauch zu verwechseln. Wächst noch in Blankenfelde, also keine Gefahr in unseren Gefilden.

Pilz

Grüner Knollenblätterpilz – Hochgiftig, leicht mit dem Champignon zu verwechseln, wächst er in allen Wäldern Berlins.

Tier

Reh – 500-1500 Rehe leben in Berlin. Verstärkt sind sie in unserer Region auf den Gosener Wiesen und im Erpetal anzutreffen. Doch wir Müggelheimer wissen, dass es auch genügend entlang dem Müggelheimer- und Gosener Damm gibt.

Insekt

Rostrote Mauerbiene – Sie ist stellvertretend für alle Wildbienen ernannt worden. In Berlin leben etwa 300 Arten Wildbienen, viele sind bedroht. Sie sind in Mauern, an Waldrändern und in Brombeerhecken zu finden.

Libelle

Schwarze Heidelibelle – Sie lebt vor allem in Ufernähe aber auch in Sandgruben besonders im Westteil der Stadt.

Baum

Flatter-Ulme – Diese Baumart kommt in unseren Gefilden häufig vor und ist auch nicht in Gefahr. Ältere Bäume sind allerdings durch die holländische Ulmenkrankheit bedroht. Die Flatter-Ulme kommt in der ganzen Stadt vor, in Parks, auf Friedhöfen aber auch im Uferbereich der Havel.

Vogel

Feldlerche – 400 bis 500 Brutpaare der bedrohten Vogelart leben noch in der Stadt. Allein auf dem Tempelhofer Feld sind es etwa 200, was dem dichtesten Bestand im ganzen Land entspricht.

Spinne

Ameisenspringspinne – Ihr Körper ähnelt dem einer Ameise, die Beine der einer Spinne. Sie ist unter anderem in den Gosener Wiesen beheimatet. sip

Die Distel ist Staude des Jahres

GMH/MARKUS HIRSCHLER

Platzhirsch: Das Alpen-Mannstreu findet im Steppen-Salbei den perfekten Partner für starke Farbkontraste.

Die Distel ist ein klassischer Fall von „wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ Bei der Staude des Jahres 2019 handelt es sich nämlich nicht um eine einzelne Pflanzengattung, sondern um eine ganz Gruppe.
Die Gemeinsamkeit sticht, Pardon, liegt auf der Hand. „Disteln besitzen Dornen. Mal mehr, mal weniger, mal sind nur die Blatt- ränder mit pieksenden Fortsätzen bewehrt, mal auch die Stängel und Blütenkelche. In jedem Fall wissen sich die meisten Disteln ganz gut vor potenziellen Fressfeinden zu schützen“, fasst Georg Uebelhart zusammen, Geschäftsführer des Staudensamenproduzenten Jelitto.
Wer je versuchte, die Gewöhnliche Kratzdistel (Cirsium vulgare) mit bloßen Händen zu jäten, kann von ihrer Wehrhaftigkeit ein Lied singen. Dennoch sind viele Disteln alles andere als fiese Kratzbürsten. Richtig eingesetzt haben sie das Zeug zum Gartenstar – wunderschön, robust und ausgesprochen nützlich.
In Bauerngärten und den späteren Freizeitgärten finden sich seit jeher diverse Distelarten, vor allem aufgrund ihrer schönen Optik – so unterschiedlich eben jene auch sein mag, oder vielleicht auch gerade wegen dieser Bandbreite.Viele Mannstreu-Arten etwa erinnern an stolze Ritter, die sich zum Turnier rüsten. Metallisch glänzend funkelt beispielsweise das Elfenbein-Mannstreu ‚Silver Ghost‘ dem Betrachter entgegen. Hocherhobenen Hauptes präsentiert es seine aus unzähligen Einzelblüten zusammengesetzten Blütenhelme, jeder gesäumt von einem zackigen Kragen über grün-silbrigem Laub.
Den Platz sowohl in modern gestalteten Gärten als auch in naturnahen Anlagen musste sich der edle Recke allerdings gar nicht erst erkämpfen, er wurde und wird ihm ganz und gar freiwillig gewährt, weiß Georg Uebelhart, selbst ein bekennender Distel-Fan.
Bewundernde Blicke rufen auch Gefolgsleute wie das faszinierende Flachblatt-Mannstreu hervor, dessen Blütenstände in pulsierendem Stahlblau leuchten, oder die zahlreichen Arten und Sorten der Kugeldistel. Deren morgensternähnliche bläuliche oder weiße Blütenstände sind für architektonisch gestaltete Gärten wie geschaffen, aber auch in Prärie- und Steppenpflanzungen sehr gefragt. „Gerade die hohen Arten sind hervorragende Strukturbildner, die sowohl in Einzelstellung als auch in Gruppen großartig wirken. Es gibt aber auch niedrigere Arten und Sorten, die sich für die vorderen Beetreihen eignen“, erklärt der Staudenzüchter.
Mannstreu und Kugeldisteln lassen sich effektvoll mit Ziergräsern kombinieren: Die sich sanft im Wind wiegenden Ähren und Halme von Federgras, Indianergras oder Reitgras schmeicheln den wehrhaften Staudenschönheiten und betonen ihre markanten Konturen. Eine ähnliche Wirkung haben filigrane Blütenstauden wie Prachtkerze, Blauraute oder Skabiose: Ihre zierlichen Einzelblüten umflirren die hoch aufgerichteten Disteln wie die tatsächlich in großer Zahl anzutreffenden Insekten, die sich am Nektar und Pollen laben.
Überhaupt lassen sich Disteln dank ihrer einzigartigen Gestalt erstaunlich vielseitig kombinieren – zu den Blütensonnen von Sonnenhut, Sonnenbraut oder Rotem Sonnenhut passen sie ebenso gut wie zu doldenförmigen Blütenständen – etwa der Schafgarbe oder verschiedener Wolfsmilcharten – oder zu den Blütenkerzen von Fingerhut, Königskerze oder Fackellilie.
Die deutlich niedrigeren Gold- und Silberdisteln glänzen vor allem in Stein- und Naturgärten – wortwörtlich, denn ihre harten Hüllblätter reflektieren das Sonnenlicht, wohingegen sie sich bei aufziehendem Regen oder Nebel schützend über dem Kreis von Röhrenblüten schließen.
Allen edlen Disteln gemein sind die Blütezeit im Hochsommer und die attraktiven Fruchtstände. „Sie bringen einen fantastischen Herbst- und Winteraspekt in den Garten, gerade in Verbindung mit Raureif oder Schnee. Das sollte man unter keinen Umständen versäumen, und sie darum erst im Frühjahr zurückschneiden“, betont Georg Uebelhart. „Vor dem Versamen muss man keine Angst haben, das hält sich in gärtnerfreundlichen Grenzen.“ Zumal sich nicht nur die Menschen an den Fruchtständen erfreuen: Der Distel-Fink und viele andere Vögel, aber auch Insekten und Kleinsäuger lieben die nahrhaften Samen, die sie geschickt aus den starren Hüllen picken, anbohren oder vom Erdboden aufsammeln.
„Disteln sind für Naturliebhaber ohnehin geradezu ein Muss im Garten – auch die früher als Unkraut verpönten, aber ebenfalls sehr hübschen Wildarten“, erläutert Georg Uebelhart. „Sie alle produzieren im Sommer Unmengen an Nektar und Pollen, weshalb sie unzählige Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten anlocken. Ihre Blätter dienen obendrein vielen Schmetterlingsraupen als Futter – denen des Distelfalters zum Beispiel.“ Von wegen also olle Kratzbürsten! Viele Disteln sehen nicht nur edel aus, sie verhalten sich auch ausgesprochen ritterlich.

GMH/BdS