Gedanken aus Müggelheim

Von Ralf Krüger

Der Müggelheimer Bote sagte freundlich „Hallo“! Er war der erste Nachbar, der uns willkommen hieß, als meine Frau und ich unser neues Heim bezogen und wir den Briefkasten von alter Werbung befreiten. Ich fand das Lokalblättchen von Anfang an interessant, aber es landete doch allzu oft unter dem großen Zeitungsstapel und wurde vergessen. Damals, im Jahre 2006, gab es noch so unendlich viel Papier, das man abonnieren und durcharbeiten wollte und kein Mensch hat geahnt, dass das gedruckte Zeitungswort mal akut vom Aussterben bedroht sein würde. Je länger wir in Müggelheim wohnten, um so wichtiger wurde uns der Bote. Er war irgendwie immer da, versorgte uns mit Infos und Terminen, die anderswo nicht zu finden waren. Er ließ uns teilhaben am langen Sterben des Edeka-Marktes, aber auch an der letztlich glücklichen Wiedergeburt des Müggelturms. „Ist der Bote schon im Kasten?“ Diese Frage meiner Frau schwappte durch die Wohnung, wenn es wieder mal Zeit war... Das Blatt wurde zum Kumpel. Man freute sich darauf, so wie man sich freut, wenn man nach Hause kommt.
Aber dieses Nachhausekommen ist seit der Sperrung der Allendebrücke vor einem Dreivierteljahr keine Kleinigkeit mehr, eher ein täglicher Überlebenskampf. Meine werktägliche Heimfahrt von Schöneberg nach Müggelheim verlängerte sich von 75 auf über 100 Minuten. Die Zuckelei mit dem 169-er durch alle Ecken des Allendeviertels ist dabei immer noch die schnellste Option auf den letzten Kilometern, aber während der Hitzemonate war sie auch die schlimmste. Und wenn ich dann endlich, müde und erschöpft, am Ludwigshöheweg aus dem Bus falle, braucht es einen Moment, bis ich an all das Erquickliche denke, das mich hier erwartet. Die eigenen vier Wände am Waldesrand, Hausärztin, Friseuse, Steuerberaterin im Ort, eine Post – und die beiden besten Restaurants mit Wasserblick und -nähe, die man sich wünschen kann. Also alles gut?
Leider werden die Schatten des BER länger und seine Eröffnung realistischer. Ich wohne in Müggelheim zur Miete, ich könnte also gehen. Aber will ich das? Will ich die Oase im Südosten Berlins verlassen? Den Ort, den manche Taxifahrer schon in Brandenburg vermuten und von dem die Statistik kaum Kriminalität verzeichnet. Der Pegel des Fluglärms wird letztlich meine Entscheidung beeinflussen. Noch ist es nicht soweit. Jetzt wird erstmal gefeiert! Jubiläen soll man nicht vergessen, denn sie kehren in dieser Form nie wieder. Ich habe soeben mein 40. Berufsjubiläum begangen und Sie, liebe Macher des Boten, können stolz auf 25 produktive Jahre zurückschauen, auf etwas, das wir Leser anfassen und durchblättern können, das wir auch mal liegen lassen und erneut zur Hand nehmen können. Etwas, das nicht zu löschen, posten und zu teilen geht. Hoch lebe dieses Unikat, unser Müggelheimer Bote!

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