Trabbi sagt zu mir, dass ich ein Wildtier bin

Von Ingrid Zweiniger

„Ich sitze auf der Terrasse und schaue durch das Fenster in die Küche. Der Frühstückstisch ist gedeckt. Alles sieht lecker aus. Ich möchte auch frühstücken, aber wie komme ich in die Küche und an die leckeren Sachen auf dem Tisch?”
Der Fuchs ist traurig, und er hat Hunger.
„Was soll ich denn nun machen? Ich klopfe einfach mal ans Fenster, vielleicht ist ein Kätzchen da oder ein Hund. Die könnten mir ja die Tür aufmachen.”
Also nahm der Fuchs sein Pfötchen und klopfte an die Scheibe. Immer und immer wieder – aber es kam keiner.
„Na das ist ja ein Ding, da decken sich die Menschen einen so leckeren Frühstückstisch und dann essen sie es nicht auf. Das geht doch gar nicht. Was mache ich denn nun?”
Plötzlich hatte der Fuchs eine Idee. „Ich werde mit Trabbi sprechen, denn der weiß ja fast immer alles.”
Also machte sich der Fuchs auf den Weg und suchte Trabbi. „Trabbi, wo bist du? Trabbi, wo bist du?” Er brüllte, doch Trabbi meldete sich nicht. „Na dann gehe ich erst einmal in meinen Wald zurück und komme nachher noch einmal wieder.”
So machte es der Fuchs. Als einige Stunden vergangen waren, machte sich der Fuchs noch einmal auf den Weg zu seinem Frühstücksfenster. Er schaute hinein, mit seinem riesengroßen Hunger, den er inzwischen hatte. Aber der Tisch war leer. Alles war weg, nur eine Vase mit bunten Blumen stand noch auf dem Tisch.
„Na prima, soll ich nun Blumen fressen? Nee, die schmecken mir nicht. Was bleibt mir also übrig, ich gehe zurück in den Wald und komme morgen früh noch einmal wieder.”
Und genauso machte es der Fuchs. Am nächsten Morgen saß er wieder vor dem Fenster und alles sah wieder genauso lecker aus wie am Vortag. Er klopfte an die Scheibe und dann kam ein Mensch. „Na prima, vielleicht macht er mir das Fenster auf und wir können gemeinsam frühstücken”, dachte sich der Fuchs. Doch der Mensch sah den Fuchs an und ging weg. Der Fuchs freute sich und lief zur Haustür, weil er dachte, der Mensch lässt ihn nun ins Haus. Aber an der Haustür war niemand. Er lief wieder zurück zum Frühstücksfenster – und da stand der Mensch mit einem Fotoapparat. Also kein Frühstück, sondern ein Foto!
„Dann werde ich mal lachen, damit sich der Mensch freut. hahaha! Auf Wiedersehen Frühstück, ich gehe zurück in den Wald.”
Der Fuchs machte sich auf den Weg und plötzlich stand Trabbi vor ihm. „Trabbi, ist das super, dass ich dich treffe. Du musst mir helfen, ich habe ein Problem.”
„Na wenn das Problem nur klietzeklein ist, bin ich gerne bereit, dir zu helfen. Wenn es aber riesengroß ist, dann musst du zu Walli dem Wildschwein gehen.”
„Trabbi, ist das dein Ernst?”
„War ein Scherz, mein lieber Fuchs, also leg los.”
„Also, ich schaue immer durch ein Fenster in eine Küche von einem Menschen und der hat immer so einen super lecker aussehenden Frühstückstisch. Ich habe schon ein paar Mal ans Fenster geklopft, aber der Mensch lässt mich nicht rein. Er will alleine frühstücken. Was soll ich nur machen?”
„Also erst einmal bin ich sprachlos. Es wird dir nicht gefallen, was ich dir jetzt sage. Aber zuerst habe ich eine Frage an dich: Was bist du, ein Haus- oder ein Wildtier?”
„Ich glaube, ich bin ein Wildtier, denn ich lebe ja im Wald.”
„So und aus diesem Grund musst du dir dein Fresschen auch in der freien Natur selber suchen und darfst dich nicht von den Menschen ernähren lassen. Ich weiß, dass es einige Menschen gibt, die Wildtiere füttern, aber das ist nicht gut. Denn jeder ist für sein Leben selber verantwortlich. Da musst du dich alleine versorgen. Denke daran und sei stolz auf dich, du wildes Tier.”
„Trabbi, ich werde mir Mühe geben. Und, Herr Professor, sie können sich auf mich verlassen!” Foto: Zweiniger