Gedanken aus Müggelheim

Von Rolf Förster

Der schreckliche Terror des Gesinnungstäters von Halle im Oktober diesen Jahres hat uns sehr betroffen gemacht – er ist aber auch das Ergebnis einer ungenierten Etablierung rechtsradikalen Gedankengutes in der politischen Debatte. In Halle hat zwar nur einer geschossen, aber viele haben ihn munitioniert!
Wann endlich zeigt der demokratische Rechtsstaat seine Zähne und entwaffnet diese Brut, denn zu lange wird der Rechtsterrorismus schon beschönigt und kleingeredet. Das zunehmend rechtsradikale Gedankengut wurde von der Politik leider über Jahre unterschätzt und von Polizei und Justiz unzureichend verfolgt. Die Schamlosigkeit, mit der die leider gewählten Politiker mit der Wiederbelebung eines nationalsozialistischen Jargons kokettieren, hat sicher auch ihr fruchtbares Echo in der Selbstermächtigung des Täters von Halle gefunden. Es war eine Attacke auch auf die Gewissheit, die Verbrechen der NS-Zeit überwunden zu haben.
Ein solcher Angriff an einem jüdischen Feiertag ist ein Alarmzeichen, das niemanden unberührt lassen darf. Es geht um das Selbstverständnis unserer Demokratie. Wer der AfD die Stimme gibt, der muss wissen, wen er da unterstützt: Leute, die mit Fäkalworten um sich werfen und millionenfachen Mord verharmlosen. Sie sind gefährliche Trojanische Pferde für mich. Antisemitismus scheint wieder salonfähig zu sein. Sag mir keiner, er habe nichts gewusst. Reicht es nicht, dass die Leichenberge im Keller der deutschen Geschichte uns noch Jahrhunderte begleiten werden?
Antisemitismus, Rassismus und jegliche gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sind eben keine bloßen Meinungen, die eine demokratische Gesellschaft aushalten muss. Nein, sie führen zu Unmenschlichkeit, Demütigung, Diskriminierung und Gewaltverbrechen. Heute Juden, Muslime und Menschen mit anderer Hautfarbe, morgen fühlen sich andere ihres Lebens nicht mehr sicher. Ach, lasst uns doch endlich wieder deomedi=deutsch=demütig sein, aber aufmerksam und niemals resignieren!

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