Fritzi und das Rätsel der singenden Streifen

Von Ingrid Zweiniger

Fritzi saß im Garten. Am Himmel waren schwarze Streifen zu sehen. Es sah wunderschön aus und was noch schöner war: Diese Streifen flogen weg und sangen noch dazu Lieder.
„Was ist denn das nur? Bin ich blöd. Nun muss ich schon wieder Trabbi fragen. Aber wie immer, ist mein lieber Köter nicht da, wenn ich ihn brauche. Er macht gerade Hunderunde mit Herrchen und Frauchen. Also muss ich wohl warten.”
Es dauerte nicht lange, dann war Trabbi wieder da. Aber leider waren nun die schwarzen Streifen nicht mehr am Himmel zu sehen. Fritzi überlegt: „Ich werde trotzdem mit ihm sprechen, dann weiß ich wenigstens Bescheid.”
Er rief: „Trabbi, Trabbi, bitte komm zu mir. Du musst wieder den Herrn Professor spielen.”
„Gut, meine Studentin, was gibt es denn”, fragte Trabbi.
„Leider kann ich dir im Moment diesen schwarzen, singenden Strich am Himmel nicht zeigen. Aber da du ja mein schlauer Professor bist, werde ich dir erklären, was ich von dir wissen möchte. Bist du bereit?”
„Na klar, mein Kätzchen, leg los!”
„Also ich habe es schon ein paarmal am Himmel gesehen. Es sind ganz lange schwarze Streifen, die wie ein offenes Dreieck am Himmel fliegen und auch noch singen. Ich sage mal singen, aber ich glaube, das ist ein ganz lautes Piepen. Kannst du mir sagen, was das ist?”
„Also lass mich einen Moment nachdenken, damit ich dir das so erklären kann, dass du es auch verstehst.”
Fritzi saß ganz ruhig auf der Wiese um ihren nachdenklichen Trabbi nicht zu stören. Dann ging es los.
„Fritzi, du wirst mir jetzt einige Fragen beantworten: Welche Jahreszeit haben wir jetzt und was kommt danach für eine Jahreszeit?”
„Also jetzt ist Herbst und dann kommt der eisigkalte Winter. Stimmt‘s?”
„Ja, das ist richtig, Fritzi. Jetzt die nächste Frage. Es geht um Vögel, große Vögel, kleine Vögel, alle Vögel, die hier bei uns leben. Weißt du, wie die Vögel hier bei uns im Winter leben?”
„Nein, das weiß ich nicht, aber ich glaube, die kleinen Vögel, die immer bei uns im Futterhaus sitzen und die ich nicht fressen darf, die haben in den Bäumen oder an den Häusern ein kuscheliges Nest. aber was hat das alles mit den schwarzen Streifen am himmel zu tun?”
„Ja, das kommt jetzt. Also die größeren Vögel und natürlich auch kleinere Vögel, die verlassen ihre Brutgebiete, das ist hier bei uns, wo der Winter bald vor der Tür steht, und fliegen in wärmere Länder. Da bleiben sie dann bis zum Frühjahr und kommen dann wieder zu uns zurück um hier ihre Eier auszubrüten und ihre Kinder großzuziehen. Diese schwarzen Streifen, die du da am Himmel siehst, das sind die Vögel. Man nennt sie Zugvögel. Sie fliegen manchmal auch alleine, aber meistens mit ihren Freunden und das sind dann die großen schwarzen Streifen, die du am Himmel siehst. Und die Musik, die du hörst, das sind die Schreie der Vögel.”
„Trabbi, das ist ja alles super. Weißt du auch, wie die Vögel heißen?”
„Also alle kenne ich nicht. Aber ich weiß, dass es zum Beispiel Kraniche, Schwalben, Gänse und Störche sind. Aber jetzt kommt das Wichtigste. Ich werde dir noch sagen, wieviele Kilometer diese Vögel fliegen. Ich habe riesengroßen Respekt vor dieser Leistung.”
„Nun mach es nicht so spannend.”
„Also der Storch fliegt beispielsweise 10.000 Kilometer und die Küstenschwalbe noch etwa 8000 Kilometer mehr. Ich kann dir nicht erklären wieviel das ist, damit du es einschätzen kannst. Aber das musst du auch nicht. Es ist jedenfalls sehr, sehr viel und von daher musst du nur wissen, was diese Vögel leisten.”
„Trabbi, herzlichen Dank und ich sage dir: Ich habe auch riesengroßen Respekt vor diesen Tieren. Wenn ich wieder die schwarzen Streifen am Himmel sehen, dann springe ich auf einen Baum und winke ihnen hinterher. Und dann schreie ich noch: Kommt gesund und munter im Frühling zurück! Ich warte auf euch!”

Fritzi kann sich das Rätsel der schwarzen Streifen am Himmel nicht erklären. Trabbi muss mal wieder helfen.