Aufruf zu Frieden und Toleranz

Viele Gedanken zur Mahnwache am Stein des Friedens

Von Hans Zinnow

HANS ZINNOW

Es ist dem Umweltkreis in Müggelheim, unter der Leitung von Dr. Horst König zu danken, dass nicht nur einmal im Jahr die Veranstaltung am Stein des Friedens stattfindet, sondern diese und ähnliche Themen im Verlauf des Jahres, in den regelmäßigen Zusammenkünften des Umweltkreise, beraten werden. Es ist Horst König gelungen, Vertreter verschiedener Parteien zu gewinnen, um aus ihrer Sicht zum diesjährigen Thema der Friedensdekade „friedensklima“ zu sprechen. Wir veröffentlichen die Statements der Redner in Auszügen.
Im Aufruf der evangelischen Kirche heißt es: „Wir brauchen in unserer Gesellschaft und im politischen Handeln einen Klimawandel, in dem Frieden wachsen und gedeihen kann, Gerechtigkeit eine Chance hat und das Zusammenleben gestärkt wird. Ein Klima, in dem faire und sachliche Debatten, konstruktiver Streit, Hören aufeinander, Achtsamkeit und Aufrichtigkeit Selbstverständlichkeiten sind sowie Konflikte mit Anstand bearbeitet werden.“
Dr. Horst König meint dazu: „Leider ist immer wieder und allerorten festzustellen, dass wir von diesen Zielen weit entfernt sind.” In diesem Zusammenhang nennt er die Schriftstellerin Monika Maron, die in einem ihrer Artikel vom 7. November daran erinnert, dass man, bevor über wen auch immer geurteilt wird, den Betreffenden oder die Betreffende fragen sollte, offen miteinander redet, aufmerksam zuhört und antwortet, ohne dabei jemanden durch Vorurteile auszuschließen. Vorab sollte niemand verdächtigt und kritische Fragen als Provokation aufgefasst werden. Diese Sichtweisen sind nur einige Aspekte unseres diesjährigen Mottos „friedensklima“, das in seiner Weite und Universalität von großer Aktualität ist.
Rechtsanwalt Dr. Bernhard Jurisch sprach für die CDU: „Unser Land hat Grund zur Freude, weil wir seit fast 75 Jahren – der längsten Periode in unserer Geschichte – in Frieden leben. Mehrere Generationen konnten heranwachsen, ohne die Gräuel des Krieges am eigenen Leib erfahren zu müssen.  Dank und Freude auch dafür, dass unser Land – auch erstmalig in unserer Geschichte – an seinen Grenzen keine Feinde hat, sondern wir umgeben sind von verbündeten, ja befreundeten Ländern.
Der Friede ist wegen der Doppelnatur des Menschen immer gefährdet. Wir sind fähig zu großen Gedanken und Gefühlen wie Liebe, Freundschaft und Großherzigkeit, aber auch zu Hass, Niedertracht, Neid, Missgunst und Mordlust. Der Mensch, als Geschöpf Gottes, ist frei zur Entscheidung zwischen Gut und Böse; Krieg und Frieden. Aus dieser Freiheit ergibt sich aber auch unsere Verantwortung.
Es muss uns klar sein, dass wir nicht absolut sind und machen können, was wir wollen. Allein sind wir nicht lebensfähig, sondern abhängig von allen anderen, denen auch wir Respekt und Anerkennung schulden. Wenn wir unsere Entscheidungen mit Verantwortung für unsere Mitmenschen treffen, können wir die Friedenstimmung herstellen, die wir alle wünschen. Das ist unsere Aufgabe an jedem neuen Tag.”  
Herr Bügel von der AfD sprach u. a. folgende Worte: „Eine verlässliche und kluge Strategie ist erforderlich, um die Zukunft für alle sicher zu gestalten. Es ist zu betonen für alle Menschen und nicht nur für wenige Auserwählte. Weltweit ist festzustellen, dass sich einige der Regierenden die Interpretation und Deutungshoheit darüber aneignen, um festzulegen was Frieden ist und wer Hilfe benötigt. Das sind Anzeichen diktatorischer Herrschaftsmodelle. Damit ein solcher Ausschluss von Teilen des Volkes nicht weiter geschehen kann, sollten wir uns auf sachliche Argumente, geprägt durch den christlichen Kulturkreis, besinnen. Dazu gehören die Nächstenliebe und die Hilfe für Bedürftige. Wer helfen will sollte dazu auch stark genug sein, das tun zu können. Deshalb reichen wir denjenigen die Hand, die die genannten Vorgaben beherzigen.”
Für Die Linken sprach Nico Rohland am Stein des Friedens: „Das heutige Thema ,friedensklima‘ ist ein Begriff, unter dem jede und jeder etwas anderes verstehen kann. Und das ist gut so, denn zum Klima des Friedens gibt es undenkbar vieles zu sagen. Das Klima wird rauer. Auf dem internationalen Parkett sehen wir so viele Populisten wie selten zuvor. Niemals waren so viele Menschen auf der Flucht, wie heute. Selten zuvor war die internationale Gemengelage so undurchsichtig. In Syrien findet seit Jahren ein Bürgerkrieg gegen die eigene Bevölkerung statt. Hinzu kommt, dass chemische Kampfstoffe verwendet werden. Zum Glück sind Länder bereit die vor Krieg und Verfolgung fliehenden Menschen aufzunehmen. Eine nicht mehr ganz so junge Losung der Friedensbewegung war einmal: ,Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin‘. Die Kunst einer Demokratie, wie unsere, ist bemüht stets nach vorn zu blicken und trotzdem den Blick in die Vergangenheit nicht zu verlieren. Wer die Gegenwart nicht wahrnimmt oder nicht wahrnehmen will, verzichtet auf die Möglichkeit, die Zukunft zu gestalten. Lasst uns zeigen, dass Frieden möglich ist. Für uns und unsere nachfolgenden Generationen. Lasst uns mehr Respekt voreinander haben. Lasst uns jeder Form von Diskriminierung das Positive entgegenstellen. In der Bahn, bei der Arbeit, auf der Straße und Zuhause. Das ,friedensklima‘ darf nicht rauer, sondern für alle erträglicher werden.”
„Wir brauchen einen gesellschaftlichen und politischen Klimawandel”, sagt Sabine Bock von der SPD und fährt fort: „Wir benötigen ein Klima, in dem faire und sachliche Debatten geführt werden können, konstruktives Streiten und aufeinander Hören möglich ist. Achtsamkeit und Aufrichtigkeit sind selbstverständliche Voraussetzungen, um Konflikte mit Anstand und Kompetenz bearbeiten zu können. Wir brauchen eben ein Klima des Friedens. Im Jahr 1970 reiste der damalige deutsche Bundeskanzler Willy Brandt nach Warschau. Er legte am 7. Dezember, unmittelbar vor der Unterzeichnung des Warschauer Vertrages, am Ehrenmal der Helden des Aufstandes des jüdischen Ghettos einen Kranz nieder. Er sank auf die Knie und verharrte so schweigend einige Minuten. Dieser Kniefall, der in die deutsche Geschichte einging und Willy Brandt weltweit viel Sympathie einbrachte, war eine Demutsgeste, eine Bitte um Vergebung und ein Symbol der Aussöhnung. Diese Geste des Respekts und der Bitte um Vergebung passt zum Buß- und Bettag, an dem wir uns hier am Stein des Friedens versammeln. Es gibt leider schon wieder antisemitische Übergriffe auf jüdische Menschen und Einrichtungen. Wir sind aufgerufen ein Klima des Friedens zu schaffen.”
Anke Schwedusch-Bishara, Pfarrerin der Kirchengemeinde Müggelheim ist sich sicher: Die meisten Menschen wollen mit ihren Mitmenschen in einem Klima des Friedens leben. Doch das ist nicht immer so einfach. Da ist der Nachbar, der seine Zigarettenkippen immer in meinen Vorgarten wirft. Da ist die Kollegin, die versucht, mich zu mobben. Da ist die Schwiegermutter, die hinter meinem Rücken die Augen verdreht, wenn ich in der Küche hantiere. Da sind Vorwürfe und alte Geschichten, die immer wieder aufgetischt werden – jeder könnte die Liste beliebig verlängern. Die biblische Losung für das Jahr 2019 erinnert uns: ,Suche Frieden und jage ihm nach!‘ (Psalm 34,15). Frieden ist in den Beziehungen zueinander keine Selbstverständlichkeit. Wir müssen ihn suchen und ihm nachjagen. Suchen und nachjagen sind etwas sehr Aktives. Wer fragt, wie man Frieden sucht, kann sich von Jesus, dem Friedefürsten, inspirieren lassen. Er hat Dinge beim Namen genannt, aber den Menschen dabei nie ihre Würde genommen. Trotz Schuld und Versagen sah er immer noch die Person, die wertvoll ist. Er hat uns aufgefordert, für schwierige Menschen zu beten, Feinde zu lieben und zu segnen. Das gelingt, trotz aller Anstrengung und Mühe nicht immer, aber was an mir liegt, will ich dazu beitragen, das ,friedensklima‘ zu verbessern.
Auch der Autor dieses Beitrags, Hans Zinnow, Pfarrer i. R., sprach bei der Veranstaltung: „Trotz unterschiedlicher Lebenserfahrungen, politischer oder christlicher Glaubenseinstellungen, verbindet uns die Sehnsucht nach Frieden. Die kurzen Worte von Albert Schweitzer sind eindeutig: ,Das Wenige, das Du tun kannst, ist viel‘.  Viele werden sagen: Denkt ihr, da hört jemand auf euch und beherzigt, was ihr sagt? – Im Gegenteil, es wird immer schlimmer mit den Anfeindungen im Kleinen wie im Großen.
Mir kommen die Machthaber in der Welt mit ihren beleidigenden Worten und ihren Taten vor, als wären sie Kinder in einem Sandkasten. (...) Die Herrscher der Staaten beschimpfen und bedrohen sich gegenseitig, nicht mit Sand, sondern mit schwerem Kriegsgerät. Es beginnt mit der Verrohung der Sprache. Mit menschenverachtenden Worten wird gedroht (Zitat): ,…wenn ihr nicht abzieht, werden wir eure Köpfe zerschmettern‘. – Andere betonen sogar: ,Unser Schwerpunkt liegt auf Gewalt und auf Töten‘. – Handelskriege eskalieren, weil einer von beiden Partnern nachtäglich behauptet, die Vereinbarung nicht akzeptieren zu wollen. Hinzu kommt, so wird berichtet, dass jüdische Menschen angespuckt werden. Der Rassismus erstarkt. Frauen haben Angst, bei Dunkelheit allein durch einen Park zu gehen. Ein Arzt wird bei einem Vortrag auf offener Bühne erstochen. Und so weiter…
Es ist höchste Zeit, alle Kraft für ein Klima des Friedens einzusetzen. Die Erkenntnis, dass Krieg und dessen Vorstufen etwas Furchtbares sind, muss bereits den Kindern gelehrt und vorgelebt werden. Das ist eine Alltagsaufgabe eines jeden von uns. Es ist kein Geheimnis, dass sich das Böse durch Gutes überwinden lässt. Man muss das Gute nur wollen und tun. Darum gehört in unser Bewusstsein: Wer seinem Feind Gutes tut, wird nicht ihn, sondern die Feindschaft überwinden. Die biblische Botschaft ist eindeutig: ,Glücklich sind die Menschen die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen!‘ (Matthäus 5,9).”

Text

sip

Kirchentermine im Dezember

Gottesdienste
So., 8.12., 10 Uhr: Gottesdienst zum Advent – Lektor Schmidt
Sonntag, 15.12., 14 Uhr: Familiengottesdienst zum Advent – Elternkreis, Pfrn. Schwedusch-Bishara
Sonntag, 22.12., 10 Uhr: Gottesdienst zum 4. Advent – Lektorinnen Schön + Klötzsch

Heiligabend, 24.12.
14.30 Uhr: Krippenspiel – Pfrn. Schwedusch-Bishara
15.30 Uhr: Krippenspiel – Pfrn. Schwedusch-Bishara
17 Uhr: Christvesper – Pfrn. Schwedusch-Bishara
1. Christtag, 25.12., 10 Uhr: Abendmahlsgottesdienst – Pfrn. Schwedusch-Bishara
2. Christtag, 26.12., 10 Uhr: Gottesdienst zum Tag des Erzmärtyrers Stephanus – Lektor Dr. Tunsch

Sonntag, 29.12., 10 Uhr: Gottesdienst – Pfrn. Schwedusch-Bishara
Silvester, 31.12., 18 Uhr: Abendmahlsandacht – Pfrn. Schwedusch-Bishara

Konfirmanden
8. Kl. donnerstags 17 Uhr Stadtkirche Köpenick oder freitags 16.30 Uhr Gemeindehaus Müggelheim; 7. Kl. dienstags oder mittwochs, 17 Uhr, Stadtkirche Köpenick (außer in den Ferien)
Krippenspielproben
donnerstags 15.30-16.30 Uhr in der Dorfkirche; Mo. 23.12. 11.30-12.30 Uhr Generalprobe
Junge Gemeinde
dienstags 19 Uhr, Gemeindehaus (außer in den Ferien)
Umweltkreis
Dienstag, 10.12., 20 Uhr bei Fam. Dr. König, Darsteiner Weg 38
ÖkumenischE Frauengruppe
Montag 16.12., 14.30 Uhr im Gemeindehaus
Gesprächskreis
Mittwoch, 11.12., 20 Uhr zum Thema „Advent” im Gemeindehaus
Adventsfeier der Gemeinde
am Sonntag, 15.12., 15-17 Uhr im Dorfklub „Alte Schule”
Sprechstunde der Pfarrerin
dienstags 17-19 Uhr, Büro im Gemeindezentrum (außer am 24. und 31.12.)

Die Kirchengemeinde wünscht allen Müggelheimern ein gesegnetes Weihnachtsfest!

Es begab sich aber zu der Zeit ...

Gedanken zur Weihnacht

Von Pfarrerin Anke Schwedusch-Bishara

ISTOCK

Es begab sich aber zu der Zeit ... So beginnt die uralte Geschichte, die in vielen Sprachen und in allen christlichen Kirchen der Welt jedes Jahr gelesen wird. Es ist die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium der Bibel (Lukas 2, 1-14), die an jedem Heiligen Abend verkündet wird und deren Botschaft die Menschen immer wieder hören wollen. Merkwürdig: immer wieder derselbe Text, immer wieder dieselbe Botschaft. Können die Menschen nicht genug davon bekommen? Nein, können sie offensichtlich nicht, denn die Kirchen sind Heiligabend fast immer überfüllt. Wegen der besonderen Stimmung, dem schönen Schein, der altbekannten Lieder? Oder doch wegen der uralten Geschichte? Gibt es keine bessere Botschaft?
Nein, gibt es nicht! Es gibt viele großartige Angebote, tolle Heilsversprechen, immer neue Wahrheiten, aber nichts ist hoffnungsfroher als die Botschaft der Engel auf dem Hirtenfeld vor Bethlehem an die einfachen Menschen vor über 2000 Jahren: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren ...!“
Das Weihnachtsfest mit all seinen schönen Bräuchen wird in vielen Ländern unterschiedlich gefeiert und hat sich im Laufe der Zeit immer wieder verändert. Auch die Dekoration, die Geschenke und das Essen wurden reichhaltiger und aufwändiger, zumindest bei uns. Nur die uralte Weihnachtsgeschichte ist so einfach und doch so überwältigend geblieben: „Euch ist heute der Heiland geboren!“
Die wunderbaren Weihnachtslieder und Choräle, die in den Kirchen gesungen werden, lassen etwas von dem Jubel der Engel spürbar werden. „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen.“
Doch viele, allzu viele Menschen spüren davon rein gar nichts. Sie sind nur gestresst, überfordert und genervt von dem ganzen Weihnachtsrummel. Joachim Ringelnatz bemerkt sehr sarkastisch: „Die besinnlichen Tage zwischen Weihnachten und Neujahr haben schon manchen um die Besinnung gebracht.“
Recht hat er! Besonders denen und uns allen wünsche ich von Herzen wenigstens einige Minuten innere Stille für die alte Bibelgeschichte. Wer keine Bibel zuhause hat, braucht nur die wenigen Worte im Internet einzugeben: Es begab sich aber zu der Zeit ...