Müggelheimer Bote
15. Jahrgang, Ausgabe 6/2009
Juni 2009
Müggelheimer Bote

Inhalt
Ein neuer Steg muss her!
Gosener Kirchenrat gegen Naturschutz
Heimatmuseum: Wir bereiten uns vor
Eine Stadt in Berlin wird 800
Weitere Meldungen
MehrWert für Müggelheim
Karikatur
Gedanken aus Müggelheim
Aus den Vereinen
Aus der BVV
Polizeibericht
Neues aus Treptow-Köpenick
Kirche
Serie für den Natur- und Gartenfreund
Geschichten aus dem Müggelwald
Archiv
Müggelheim im Internet
Impressum
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Müggelheimer Bote





Realisation:
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Wir bereiten uns vor…

Aktionen der AG Heimatmuseum zum Bezirksjubiläum

Wie die Zeit vergeht! Das 800jährige Jubiläum des Bestehens von Berlin-Köpenick weist ein vielfältiges Programm auf, und wir Müggelheimer tragen auch mit einigen Veranstaltungen dazu bei.

Vor wenigen Wochen wurde die von Martin Jahn interessant gestaltete Ausstellung über die Geschichte von Köpenick im Dorfklub vorgestellt. Ein Ereignis in der Entwicklung Köpenicks war die Gründung des Dorfes Müggelheim auf dem Köpenickschen Werder im Jahre 1747. Die AG Heimatmuseum des Heimatvereins Müggelheim hatte in ihrem Aufruf vom Februar von ihrem Vorhaben berichtet, im August im Dorfklub eine Ausstellung zu zeigen, in der die Gründungszeit des Dorfes Müggelheim von 1747 bis ca. 1780 vorgestellt werden wird.

Dazu laufen jetzt die Vorbereitungen vielfältigster Art. Die Mitglieder der AG beschäftigen sich mit der Zeit des 18. Jahrhunderts, mit den von König Friedrich II. durchgeführten wirtschaftlichen Reformen, zu der auch die Kolonisation des Landes mit Einwanderern aus der Pfalz, Böhmen, Sachsen usw. gehörte. Müggelheim ist eines der ersten Dörfer, die damals gegründet wurden und hat gegenüber anderen Ansiedlungen viele Besonderheiten aufzuweisen. Obwohl verdienstvolle Ortschronisten schon vieles über diese Zeit publiziert haben, haben wir doch einige neue Fakten entdeckt. So erwies sich zum Beispiel unsere Arbeit im Geheimen Preußischen Staatsarchiv Berlin und im Landeshauptarchiv Potsdam in vielen bisher ungelösten Fragen als sehr erfolgreich. Dicke Aktenbündel sind dort vorhanden, die Auskunft über die Verhandlungen zwischen den Müggelheimer Einwanderern und den preußischen Behörden Auskunft geben.

Darin wird darüber berichtet, was die eingewanderten Pfälzer Bauern erwarteten, wie sie den Aufbau des Dorfes meisterten, was von der Behörde von ihnen erwartet wurde, welche Hilfen sie erhielten und von wem, was sie leisten konnten usw. Aussagekräftig sind auch die zeitgenössischen Landkarten, die über die Anlage und Größe des Dorfes berichten. An diesem Thema arbeiten Kerstin und Lutz Melchior. Über die Rechte und Pflichten der neuen Siedler, über das Amt des Schulzen, der die innere Ordnung zu wahren hatte sowie über Grenzstreitigkeiten mit den Nachbarorten forschen Dr. Bärbel Kovalevski und Peter Belitz. Marianne Schäfer beschäftigt sich mit dem Aufbau der bäuerlichen Wirtschaft, der Ausstattung einer Bauernstelle, der sogenannten „Hofwehr“. Wolfgang Behrend wird einiges zur Geschichte der Mühle am Krampenburger Weg beitragen.

Doch bisherige Erkenntnisse müssen wir auch berichtigen. So war man immer der Meinung, dass den Pfälzern verwehrt worden war, die Müggelberge mit Wein zu bebauen. Ein Protokoll vom 10. November 1788 berichtet aber von einem Landtausch, den die Bauern wünschten und erhielten, denn „die Weinbergstücken (waren ihnen) gleich am Anfang ihres Etablissements im Jahre 1747 angewiesen und besage der Löscherschen VermessungsRegister würcklich überlaßen , damit darauf Wein gebauet werden könne, die Weinbergsstücke wären aber noch nie von der Gemeinde cultiviert, und finde auch keine Cultur derselben statt, da wegen der Höhe und des Sandes nichts darauf fortkommen könne, die Bestellung mit Vieh der Steile wegen nicht möglich sey, der Regen den fetten Boden wegwasche und das was noch wachse, von dem Wild besonders wenn es Wein seyn sollte, gänzlich werde weggefreßen werden.“

Zur Zeit wird auch intensiv an einem neuen Modell gebaut. Jürgen Barde, der schon das Dorfmodell gefertigt hat, übernahm die Aufgabe, ein Gehöft aus dem 18. Jahrhundert zu rekonstruieren und vorzustellen. Dazu helfen Informationen von alteingesessenen Müggelheimern und Nachkommen der ersten Bauern wie Peter Genzler und Frau Baeyer. Für die Ausstattung des Wohnhauses und der Wirtschaftsgebäude müssen Studien zur Bauernkultur des 18. Jahrhunderts betrieben werden. Wir hoffen auch, noch einzelne Objekte von den Bauernhöfen zeigen zu können.

Ein Thema der Ausstellung ist dem Aufbau der Schule gewidmet, die seit 1763 existiert. Die spärlichen Informationen über den Wanderzug der Pfälzer von Odernheim über Frankfurt-Eisenach-Magdeburg nach Köpenick sollen in künstlerischen Arbeiten von Schülern der Müggelheimer Grundschule nacherlebbar gestaltet werden. Angeleitet wird dieses Vorhaben von der Lehrerin Beate Bohne, unterstützt von Frau Pieper und betreut von dem Grafiker Martin Jahn.

Um die ersten Siedlerfamilien vorstellen zu können, sind Studien in Kirchenbüchern und Literatur notwendig. Damit beschäftigen sich Dagmar Belitz und Klaus Baeyer.

Nicht alle Kolonisten blieben hier, es fand in erster Zeit mancher Wechsel statt, oder es zogen einige in andere benachbarte Orte. Diesen komplizierten Verbindungen nachzugehen, ist eine reizvolle Aufgabe.

Die Ausstellung wird versuchen, das vielfältige Bild des Aufbaus eines Dorfes und einer Dorfgemeinschaft vorzustellen. Es ist Teil der Geschichte der Pfälzer, die als Auswärtige mit eigenem Dialekt, eigener Tracht, Wirtschaftsformen und Bräuchen hier nach Brandenburg kamen, um das Land mit aufzubauen und eine neue Heimat zu finden.

Vom 2. bis zum 23. August kann diese neue Ausstellung täglich im Dorfklub besichtigt werden. Zusätzlich wird in Führungen und Vorträgen über die Gründungszeit Müggelheims berichtet. Dr. Bärbel Kovalevski AG Heimatmuseum Müggelheim