Ostern feiern ?!!! Das Leben siegt!


Gedanken von Pfarrerin Anke Schwedusch-Bishara

Wie kann ich in diesem Jahr Ostern feiern? Ich hatte mich darauf gefreut und gehofft, nach zwei Jahren, in denen gerade um Ostern herum große Zurückhaltung geboten war, endlich möglichst unbeschwert zu feiern. Nun frage ich mich: Was wird bis dahin sein? Welche Nachrichten erwarten uns? Steckt Europa dann noch tiefer in einem Krieg? Das Leid der Menschen in den belagerten ukrainischen Städten, die vielen Toten, Vertriebenen und die Zerstörung machen mich traurig, wütend und ratlos. Bei vielen werden verschüttete Ängste wach. Krieg ist immer irgendwo auf der Welt. Leider. Aber sonst war er weiter weg und deshalb nicht so präsent. Wie also feiern angesichts von so viel Tod?

Einfach mal ein paar Tage abschalten, den Fernseher, die Nachrichten, den Krieg ausblenden und sich nur am Frühling, den bunten Eiern, der freien Zeit und der Familie freuen? Klappt bei mir, glaube ich, nicht wirklich.

Ich denke, es geht beides: mitfühlen und trotzdem feiern. Ja, gerade jetzt Ostern feiern. Ganz bewusst. Denn Ostern kündet vom Sieg des Lebens über den Tod. Das ist die Botschaft dieses Festes. Christus hat den Tod besiegt – auch wenn das nicht zu sehen und kaum zu glauben ist und Menschen und Mitgeschöpfe weiterhin sterben. Diesen Sieg des Lebens kann kein Autokrat und Kriegsherr rückgängig machen. Daran halte ich mich fest. Hoffnungsvoll und auch etwas trotzig. So klingen übrigens auch die Osterlieder. „Wir danken dir, Herr Jesu Christ, dass du vom Tod erstanden bist und hast dem Tod zerstört sein Macht und uns zum Leben wiederbracht.“ Ich freue mich darauf, einzustimmen und mir zusammen mit anderen die frohe Osterbotschaft ins Herz zu singen.

Ich will die Augen offen halten für österliche Fingerzeige auf den Sieg des Lebens: der Blütenzweig in der Frühlingssonne, das Austreiben der Blätter, Menschen, die nach einem Verlust einen Neuanfang wagen. Auch die große Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft gegenüber den Kriegsbetroffenen zählen für mich dazu. Liebe ist stärker als Hass.

In den Ostergottesdiensten werden wir uns laut zurufen: „Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Dieser Ruf geht zum Fest rund um den Globus und kündet in vielen Sprachen vom Sieg des Lebens über den Tod. Auf Russisch und Ukrainisch ist er sogar identisch. Und für beide Völker ist Ostern das höchste Fest. Ich wünsche mir, dass dieser Ruf lauter und mächtiger ist als das Gedröhn der Geschosse und Propaganda, dass Menschen sich diese gute Osterbotschaft zurufen in allen Sprachen. Mag sein, dass ich träume. Aber Ostern gibt mir Hoffnung: Das Leben gewinnt. Und darum wollen wir feiern, gerade jetzt!.