Lotto-Laden schließt nach 20 Jahren

Barbara Genzler nimmt wehmütig Abschied von ihren Kunden

von Simone Jacobius

Die drei Damen vom ... Lotto-Laden. Barbara Genzler (Mitte) hat ihre beiden Mitarbeiterinnen bei Edeka unterbringen können. Foto: Jacobius

Ende des Jahres schließt Müggelheims kleine Informationsbörse: der Ort, an dem man alle wichtigen Kleinigkeiten erstehen konnte, einen gemütlichen Schwatz halten und sich über alle Neuigkeiten im Ort informieren konnte. 21 Jahre lang führte Barbara Genzler den Lotto-Laden am Dorfanger doch nun ist Schluss. Die Konkurrenz ist groß, die Geschäfte liefen immer schlechter – und sie hat das Rentenalter erreicht. Im Februar feierte sie ihren 63. Geburtstag und kann jetzt von der neuen Gesetzänderung profitieren. Wer 45 Jahre im Berufsleben stand darf nun mit 63 ohne Abzüge in Rente gehen.

Das ließ sich Barbara Genzler nicht zwei Mal sagen und freut sich nun auf ihren "Unruhestand". Denn wer sie und ihren Mann Peter kennt weiß, dass "Däumchen drehen" nicht zu ihren bevorzugten Freizeitaktivitäten gehört. "Mit unserer Partyscheune und den Ferienwohnungen werden wir noch genug zu tun haben", sagt sie schmunzelnd. Von den drei Enkelkindern auf die die beiden sehr stolz sind, mal ganz abgesehen. "Dann kann ich endlich eine richtige Oma sein", freut sie sich.

Es war der 1. Februar 1993 als sie das Geschäft von ihrer Mutter übernahm. Diese hatte den Laden mit Lotto, Zeitungen und Tabakwaren ebenfalls bereits seit 20 Jahren betrieben. Als das Geschäft dann in die Hände der Tochter überging, kamen auch Schreibwaren, Schulbedarf, Kinderbücher und der Kopierservice dazu. Für das erweiterte Sortiment musste auch mehr Platz her, so dass sich das Geschäft in den ersten Jahren immer mehr zu dem entwickelte, was es heute ist. Doch gerade in den Anfangsjahren hatte Barbara Genzler etliche Schicksalsschläge hinzunehmen. 1995 und 1996 gab es insgesamt fünf Einbrüche in den Laden, die Versicherungsbeiträge stiegen ins Unermessliche, die Investitionen in Sicherheitstechnik wurden immer größer. Am dreistesten war der letzte Einbruch, bei dem der sieben-Zentner-Tresor mit BVG-Tickets und Lottoscheinen gestohlen wurde. "Bei der Anschaffung wurde er mit einem Schwertransporter geliefert. Die Einbrecher klauten ihn mit Hilfe von Batterien, die sie als Rollen drunter legten – und mit einem beim Nachbarn gestohlenen Auto", erinnert sich Barbara Genzler. Das war der Zeitpunkt, zu dem sie sich Panzerjalousien für den Laden und einen Hund für den Hof anschafften. "Am Schlimmsten war, dass uns die Diebe vorher vom Garten aus beobachtet haben mussten. Unsere Hoftür hatten sie zudem noch mit Zaundraht umwickelt, so dass Peter morgens nicht rauskam. Sie wollten nicht überrascht werden..."

An eine nette Anekdote aus der Gründungszeit kann sie sich auch noch erinnern: "Kurz nach der Wende waren Sex-Zeitschriften stark gefragt. Allerdings gab es sie nur als Bückware. Die Nachfrage war so groß, dass ich sie so manches Mal nachbestellen musste." Irgendwann ließ die Nachfrage nach, dann kamen die Computerzeitschriften ins Regal und nun sind es vor allem die "geerdeten" Edelzeitschriften wie Home & Garden, Landlust, und ähnlichem, die das Rennen machen.

"Obwohl ich mich auf mehr Zeit für die Familie freue, fällt es mir doch sehr schwer nach so langer Zeit, Abschied zu nehmen. Vielen Kunden habe ich es schon vorher gesagt und gerade die Älteren reagierten oft sehr bestürzt. Die Jüngeren sehen es gelassener, für sie ist wichtig, dass der Hof offen bleibt", sagt Barbara Genzler mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Freuen tut sie, dass sie sich um ihre beiden Mitarbeiterinnen, die seit 22 bzw. neun Jahren im Laden mitwirtschafteten, keine Sorgen machen muss. Beide fangen bei Edeka an und werden dort mit ihrem Fachwissen und ihrer sympathischen Art das Team verstärken. Und Edeka-Inhaber Patrick Leher bemüht sich, dass er auch BVG-Tickets verkaufen darf.

Der Laden wird übrigens nicht leer stehen. Denn der Genzler-Sohn Martin wird den Raum gemeinsam mit seiner Verlobten Anja Walner nutzen. Er ist bereits seit 2002 Berater für Marketing, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit und wird den alten Lotto-Laden nun als "Hofagentur Genzler" betreiben. Seine zukünftige Frau ist Modedesignerin und richtet sich dort ein Atelier mit kleiner Werkstatt ein. Ab März sollen dann dort hochwertige Maßhosen aus Lodenstoff entstehen.

Am 27. Dezember wird der Lottoladen ein letztes Mal seine Tür öffnen, dann beginnt ein neues Zeitalter. Barbara Genzler wird sich übrigens bereits am 24. Dezember von ihren Kunden mit einem zünftigen Glühwein verabschieden.