Gedanken zur Verkehrslage

Einladung zum Mitgestalten unseres Lebensraumes

Von Caroline Goerzen

Wer kennt das nicht?! Jeden Morgen das gleiche Spiel: Der Wecker klingelt unangenehm früh. Die Kinder wollen noch nichts vom neuen Tag wissen. „Raus aus den Federn! … Keine Zeit für…!“ Der morgenliche Druck steigt wohlwissend, dass der Weg zur Arbeit hindernisreich sein wird, eine beinah skandalöse Verkehrslage zu überwinden ist.
So oder ähnlich ist das wohl vielen von uns bekannt. Die morgendliche Spannung ist in den meisten Haushalten nicht unerheblich und setzt sich fort bis jeder – ob klein, groß, jung oder alt – am Zielort angekommen ist.
Was das für unseren Wohn- und Lebens(t)raum Müggelheim heißt, erleben wir täglich: Während das „Fußvolk“ wie jeden Morgen zum Bus flitzt, verlassen viele Autofahrer den Ort im Tiefflug. Bei eventuell erforderlichen Boxenstopps wie Schule und Kita wird möglichst vor der Tür gehalten, um noch ein paar Sekunden rauszuholen, die zuvor beim Frühstück verloren wurden. „Bin ja gleich weg!“ (Ein raffinierter Gedanke, der in den Minuten davor und danach an der gleichen Stelle hunderte Male gedacht wurde/wird.) Natürlich gibt es auch diejenigen, die Fahrrad fahren und auch die, die immer etwas früher dran sind und in der Hektik des Morgens einfach mal anhalten, um Fußgänger über die Straße zu lassen. Dieses unterdessen nicht mehr so ganz zeitgemäße, beinahe ausgestorbene Verhaltensmuster wird dann so manches Mal mit verständnislosem Drängen, Hupen oder bedenklichen Überholmanövern der Nachfolgenden quittiert. Direkt am Ludwigshöheweg vorbei führt die Einflugschneise für den „durchfliegenden” Verkehr aus Richtung Köpenick, einschließlich der Müggelheimer.
Was ist es eigentlich, was uns so treibt?!
Wie sind wir dazu gekommen, uns so zu verhalten? Ist es die Uhr, der x-te drohende Blick wegen Verspätung oder ist es der Verdruss über die ewige Herumfahrerei?
Eingebettet in Wälder, umringt von Gewässern, haben sich hier viele Menschen niedergelassen. Nicht zuletzt, weil es so ruhig, idyllisch, familiär – ja auf den ersten Blick einfach lebenswerter wirkt. Alle Generationen dicht beieinander. Im besten Fall das Eigenheim mit Garten. „Hier ist die Welt noch in Ordnung“ und ähnliche Gedanken kamen wohl unvermittelt zustande. Und ja, genau so kann es sein, wenn wir uns alle als Mitwirkende dessen verstehen. Alteingesessene, Zugezogene und Zurückgezogene. Wir haben es in der Hand.
Wenn Sie sich wünschen, dass Nachbars Kinder mit dem Fahrrad oder sonst wie im Ort unterwegs sein können, dann tragen Sie zur Entspannung der Gemüter bei. Fahren Sie langsam mit Ihrem motorisierten Gefährt durch die Straßen. Selbst wenn es scheint, als wäre gerade keiner da. Denn auch im Haus ist hör- und fühlbar, wie schnell da vor der Tür gefahren wird und beeinflusst unmittelbar die elterliche Entscheidung, das Kind selbstständig rauszulassen oder eben nicht rauszulassen. Vielleicht könnte das sogar die eine oder andere Situation im Ort entschärfen. Zur Schule radelnde Kinder würden auch weniger parkende Autos auf der Odernheimer Straße bedeuten.
Oder wie wäre es damit: mal anhalten, um jemnden rüber zu lassen, weil die Autoraupe im Spiegel kein Ende nimmt. Es ist ein besonders einfacher Ausdruck von Achtsamkeit, kreiert Gefühle der Dankbarkeit und Erleichterung, kann sogar ansteckend wirken und wer weiß, vielleicht kommt es wie ein Bumerang zu einem selbst zuück. Es sind nur ein paar Augenblicke.
Auch in den hinteren Winkeln unseres Wohngebietes fahren die Autos beinahe im Minutentakt. Mit dieser Häufigkeit, ihrer Größe, der Geschwindigkeit und den Motorengeräuschen, führt das schnell zu der irrigen Annahme, dass die freie Fahrt des Kfz oberste Priorität hätte. Ist es doch das Stärkste, Schnellste und potenziell Gefährlichste auf der Straße. Bei genauerem Hinsehen lässt sich leicht feststellen, dass es ein Mensch ist, oft ein Anwohner, der sich in Stahl und Blech gehüllt zu solcher Attitüde verleiten lässt.
Wo setzt man an?!
Wie können wir uns und unsere Mitmenschen aus diesem Dilemma befreien? Es wird immer mehr darüber gesprochen und geschrieben. Es gibt Elterninitiativen, bei der BVV steht das Thema auf dem Plan. In der Müggelheim-Gruppe bei Facebook wird debattiert, ebenso beim kurzen Gespräch an der Ecke. Die einen wollen schärfere Kontrollen, andere eine neue Verkehrsregelung für unsere besonders wunden Punkte. Manche/r fühlt sich machtlos und ausgeliefert und wieder andere fühlen sich gar beschnitten in ihrem Recht – „Die Straße ist nun mal für Autos gebaut“ und „Wer baut denn eine Kita an den Ortseingang?“ sind zu hören.
Aber es geht nicht darum, welches Haus wo gebaut wird. Das ist einfach eine Einrichtung, die Teil von Müggelheim ist. Viel mehr geht es darum, wie wir uns durch den Ort bewegen. Die meisten, die das Wort ergreifen, bitten tatsächlich um gegenseitige Rücksichtnahme. Weniger ICH, mehr WIR. Das alles zeigt, wir sind auf dem Weg. Sprache bleibt nicht wirkungslos.